In unserer Reihe der Kandidateninterviews wollen wir euch die Kandidaten für den Bundesvorstand und das Bundesschiedsgericht vorstellen. Heute geht es mit Benjamin Ölke weiter, der für einen Posten im Bundesschiedsgericht kandidiert.
Flaschenpost: Stell dich am besten einfach mal kurz vor: Wer bist du, wie alt bist du und was machst du?
Benjamin: Also ich bin 28 Jahre, studiere Bioinformatik. Ich bin seit den Anfängen des Bundestagswahlkampfes 2009 dabei. Zusammen mit anderen Leuten in Sachsen-Anhalt habe ich dort den Landesverband gegründet, bin jetzt aber in Bayern.
Flaschenpost: Wie bist du denn zu den Piraten gekommen, beziehungsweise warum bist du eigentlich Pirat?
Benjamin: Ja, das war per Zufall. Das war Europawahl und meine Mitbewohnerin wusste nicht was sie wählen soll und hat den Wahlomat angeschmissen so. Dann hat sie gesehen Piratenpartei, das finde ich irgendwie cool. Und dann habe ich mich erkundigt und gesehen das ist super geil, da gibts auch gleich Treffen bei mir um die Ecke und dann bin ich da halt hin. Ja und so ist es dann passiert. Warum ich bei der Piratenpartei bin, ist halt ganz klar. Das war die Zensursula. Die gute Ursula, die war schuld und ich habe mich halt schon wegen der Vorratsdatenspeicherung tierisch aufgeregt und dachte mir halt „Na gut, das lasse ich mal noch durchgehen“, aber als es dann mit den Internetsperren losging, dann habe ich mir halt gedacht:“Nee, Leute, so nicht!“
Flaschenpost: Was hast du denn sonst so für politische Interessensschwerpunkte?
Benjamin: Naja, also leider sind es im Moment noch so Sachen, die bei uns in der Partei etwas zu kurz kommen. So etwas wie Aussenpolitik zum Beispiel. Aber durchaus auch quasi innere Sicherheit ist bei mir auch ganz gross. Ich würde mich gerne ein bisschen mehr Sozialpolitik auskennen, aber da gibt es glaube ich auch fähigere Leute als mich.
Flaschenpost: Was hast du denn schon so bisher für die Piratenpartei geleistet? Hast du denn schon irgenwelche Ämter inne gehabt?
Benjamin: Jaja, also ich war schonmal vorsitzender Richter im Schiedsgericht von Sachsen-Anhalt. Da ist aber glücklicherweise nichts in meiner Amtszeit zu bearbeiten gewesen. Und dann war ich in der – die Leute die im Wahlkampf tätig waren kennen die AG Öffentlichkeitsarbeit noch, wo ich zusammen mit dem Simon Goddeck und der Anja Beranek und dem Dieter Weiprecht, also mit ganz vielen Leuten aus dem ganzen Bundesgebiet haben wir halt zusammen, waren wir mehr oder weniger das Korpsteam coreteam für die Wahlkampfsstrategie und haben im Prinzip, waren wir so 30-40 Leute, die Unterschriften analysiert haben nach Altersstruktur und was das halt für Leute sind und darauf unser Wahlkampfsstrategie eben abgepasst haben. Da waren dann ganz viele Designer mit dabei, die die ganzen Werbemittel designt haben, ein paar Leute, die sich die Texte überlegt haben und ich war zum Beispiel auch bei diesem Werbespot mit dabei. Ich bin derjenige, der kein Terrorist ist, wenn den jemand gesehen hat, den Werbespot von 2009. Und dann haben wir halt über den Werbespot noch, auch wieder innerhalb dieser Gruppe, ganz viel Geld aufgetrieben, womit dann zum Beispiel auch das gläserne Mobil finanziert wurde. Das war auch eine Idee von jemand aus unserer Gruppe, vielleicht kennt man den, den Fabian Gärtner – ich glaube der heisst Gärtner mit Nachnahmen, ja – aus Baden-Württemberg und so. Im Prinzip habe ich Wahlkampf gemacht für die Piraten mit ganz vielen anderen Leuten zusammen auch.
Flaschenpost: Wieviel Zeit kannst du denn für die Piraten aufwenden beziehungsweise wieviel Zeit verballerst du jetzt schon so?
Benjamin: Also jetzt gerade eigentlich gar nichts und das auch schon seit einem guten Jahr, weil ich relativ ausgebrannt war dann nach dem Bundestagswahlkampf. Und dann habe ich mich noch im Bildungsbereich quasi für die Piraten mit engagiert und dann musste ich etwas Pause machen und mich neu sortieren. Und jetzt merke ich geht irgendwie mal wieder was und ich würde gern mal wieder etwas machen. Aber ich möchte gerne irgendetwas machen, wo ich mir sagen kann es geht, da kann ich die Zeit wirklich in Grenzen halten, weil ich muss auch noch studieren und wir kennen das alle, die wir was für die Piraten machen. Es ist immer ganz schwierig, ganz viele Dinge und ich dachte mir das Schiedsgericht ist genau das richtige, weil sicherlich ist da auch immer was zu tun, aber wie soll ich das sagen, das ist halt der Zeitaufwand ist eher statisch als diskret. Die Mathematiker werden verstehen was ich damit meine.
Flaschenpost: Was hat dich denn jetzt dazu bewogen doch für das Bundesschiedsgericht zu kandidieren?
Benjamin: Wie gesagt, ich möchte gerne wieder irgendetwas machen und ich muss aber eben schauen, dass ich den Zeitaufwand sehr genau dosiere. Also ich kann mir jetzt keine Aufgabe aufhalsen, wo ich von vornherein nicht gut kalkulieren kann wieviel Zeit es brauchen wird. Ich habe halt einfach nicht mehr als ein paar Stunden pro Woche im Moment und da dachte ich mir das sei eine schöne Sache.
Flaschenpost: Was qualifiziert dich denn für die Arbeit im Bundesschiedsgericht?
Benjamin: Da möchte ich gerne ein wenig Kritik üben an dieser Frage: Was qualifiziert überhaupt irgendjemanden im Schiedsgericht zu sein? Ich glaube, da ist jeder für qualifiziert. Also wenn da jetzt jemand sagt: „Ich bin aus dem und dem Grund besser qualifiziert als jemand anders“, dann halte ich das für Blödsinn, denn im Schiedsgericht geht es ja eigentlich nur darum zu gucken hier hast du die Satzung, da hast du was geschrieben, da sagt jemand das verstösst gegen die Satzung und dann muss man halt gucken: ist es so oder ist es nicht so? Da benutzt man seinen gesunden Menschenverstand und da gibt es keine Richtlinien und da gibt es auch keine Techniken oder sonstirgendetwas, was man sich aneignen könnte. Da geht es einfach nur darum, dass man da irgendwie mit einem kühlen Kopf und möglichst unparteilich daran ran geht und sich überlegt hat jetzt der recht, oder der andere. Und ich glaube das kann jeder.
Flaschenpost: Wie stellst du dir denn die Arbeit im Bundesschiedsgericht vor? Hast du da schon eine Ahnung wie man so zusammenarbeitet?
Benjamin: Naja, also das ist eben, weil man kriegt eben die, man wird halt angerufen, dann setzt man sich mit seinen Richterkollegen zusammen und diskutiert den Fall und dann sagt jeder „Hier ich sehe das so und so und hier ist Argument dafür und hier ist das Argument dagegen“ und dann sagt der andere „Ja, das stimmt schon, aber da kann man vielleicht auch noch dieses Argument gelten lassen und auf der anderen Seite ist das ja auch nicht so verkehrt“. Und dann muss man irgendwie gucken, dass man zusammen dann zu einem Urteil kommt, mit dem alle leben können.
Flaschenpost: Weil du gerade die Urteile ansprichst: Auf welcher Grundlage möchtest du denn die Urteile fällen?
Benjamin: Naja, so wie Justitia eben, die ist blind. Also es gibt, wir haben Satzungen, wir haben Regeln nach denen es jetzt zu laufen hat und unemotional um deine Frage mal in einem Wort zu beantworten: unemotional.
Flaschenpost: Traust du dir denn auch zu Urteile zu fällen, die deiner privaten Meinung widersprechen?
Benjamin: Das ist eine schwierige Frage, weil wie soll man denn ein Urteil sprechen, dass der eigenen Meinung widerspricht. Also das geht ja eben quasi nur dann, wenn man quasi eine Sympathie für die eine oder die andere Seite und dann ist es ja wieder emotional. Und dann hat es ja wieder nichts mit nur Auslegung des Rechts zu tun, sondern dann ist es ja quasi eine Parteinahme und das würde ich mir sowieso einfach von Anfang an selber schon verbieten.
Flaschenpost: Kommen wir schon zur letzten Frage: Warum sollte man dann gerade dich wählen?
Benjamin: Das ist auch wieder leider so eine Frage an der ich Kritik üben muss, weil „Warum sollte man gerade mich wählen?“: das finde ich auch eine schwierige Frage, weil es gibt sicherlich auch tausend andere Leute, die genau so gut geeignet sind dafür wie ich. Ich habe mich einfach mal nur beworben, weil ich tatsächlich mal wieder was machen wollte und das soll ja auch irgendwie ein demokratischer Prozess sein, ja wo man die Wahl hat zwischen verschiedenen Menschen. Ich könnte jetzt natürlich sagen: Ja, ich habe ein tolles Gerechtigkeitsempfinden und ich kann sehr unparteiisch sein und sonst noch irgendwas, aber auf solche Selbstbeweihräucherungen möchte ich gerne verzichten.
Flaschenpost: Vielen Dank Benjamin für das kurze Interview. Viel Glück für deine Kandidatur in Heidenheim und ich denke wir sehen und hören uns dann auch dort.
Benjamin: Ja genau, wunderbar.
Flaschenpost: Danke, Tschüss…
Benjamin: Tschüss.
