Rekruten in der Grundausbildung bei der Bundeswehr | CC BY 3.0 <a href="https://www.dirk-vorderstrasse.de/fotos/details/soldaten---rekruten-in-der-grundausbildung-bei-der-bundeswehr/11476/-/">Dirk Vorderstraße</a>
Dies ist ein Gastbeitrag von Alexander Kohler, Themenbeauftragter der Piratenpartei für Außen- und Sicherheitspolitik.
Als wir von der AG Außen- und Sicherheitspolitik vor einigen Jahren innerhalb der Piratenpartei eine Diskussion über die Einführung einer Dienstpflicht anregten, stießen wir zunächst auf Irritation. Man stellte sich die Frage: Warum denn? Wir leben doch in einer friedlichen Welt – eine Dienstpflicht sei gestohlene Lebenszeit. Das war noch vor Corona und dem Überfall auf die Ukraine.
Die aktuelle Sicherheitslage
Was wir in der AG allerdings bereits damals beobachten konnten, war eine schleichende Verschlechterung der allgemeinen Sicherheitslage. In Staaten Ost- und Nordeuropas begann man daher bereits, den Ausstieg aus der Wehrpflicht rückgängig zu machen. In Deutschland hingegen ist man in Fragen der Verteidigungs-, Sicherheits- und Außenpolitik traditionell eher langsam. Man hatte sich mental in eine heile „Teletubby“-Welt zurückgezogen, während rings um uns herum bereits nach Art von Game of Thrones agiert wurde. Dieses Zurückziehen in eine Traumwelt kann man sich in unserer heutigen Zeit nicht mehr leisten – die Ukraine und die Kriege im Nahen und Mittleren Osten sind erst der Anfang.
Man mag versucht sein, sich darauf zurückzuziehen, die Sicherheitslage ausschließlich Profis zu überlassen, um sich erneut in eine vermeintlich friedliche Welt zu flüchten. Doch das ist keine tragfähige Option. Resilienz gegenüber zukünftigen Herausforderungen lässt sich nur sicherstellen, wenn die gesamte Gesellschaft in der Lage ist, auch mit hybriden Bedrohungen – etwa Störungen unserer kritischen Infrastruktur – umzugehen. Es geht dabei nicht ausschließlich um den Dienst an der Waffe für alle Geschlechter. Wer keine Waffe in die Hand nehmen möchte, kann sich auch im Katastrophenschutz, bei der Feuerwehr oder in der medizinischen Versorgung und Pflege ausbilden lassen.
Gesellschaftliche Resilienz
Für eine resiliente Gesellschaft ist es absolut notwendig, künftig wichtige Fähigkeiten breit zu verankern. Dabei sagt niemand, dass dieser Dienst nur für jüngere Generationen verpflichtend sein sollte. Auch bei älteren Menschen besteht teils ein erheblicher Nachholbedarf und Wissenslücken – man denke etwa an Erklärungsversuche einer ehemaliger Verteidigungsministerin wie ein Panzer funktioniert: „Das Rohr, das schießt“, oder an Forderungen von einem anderen ehemaligen Minister nach einem „Iron Dome“, ohne zu wissen, dass es sich dabei nur um einen Teil eines vielschichtigen Verteidigungssystems handelt.
Staatsbürgerliche Pflichten können zudem helfen, die durch Corona entstandene soziale Isolation zu überwinden. Sie bieten die Möglichkeit, Bürgerinnen und Bürger verschiedener Alters- und Gesellschaftsschichten miteinander in Kontakt zu bringen und den Austausch zu fördern.
Eine gesamtgesellschaftliche Dienstpflicht ist daher kein Verlust, sondern vielmehr ein Gewinn – und mitnichten verschwendete Lebenszeit.

Die Bedrohungslage ist nicht so ernst wie beschrieben. Russland scheitert schon an der Ukraine. Zudem ist die NATO stärker als je zuvor.
Für eine Wehrpflicht oder Dienstpflicht braucht es schon stärkere Argumente für diesen Eingriff ins Selbstbestimmungsrecht des Einzelnen. Polen, nicht Deutschland will die grösste konventionelle Armee in Europa aufstellen (300.000 Soldaten) und setzt nicht auf die Wehrpflicht, sondern auf eine aufzubauende starke Reserve. Dienstpflichtige sollen auch keine Lückenbüsser für fehlendes Personal sein. Und selbst wenn wir wollten, die letzten Kasernen dafür wurden gerade verkauft. Der Aufbau würde ein Jahrzehnt dauern.
Lieber Dennis, ich befürchte du unterliegst das einem Missverständnis: Dienstpflicht ist nicht gleich Wehrpflicht, und Wehpflicht ist nicht gleich Dienst an der Waffe.
Dienstpflicht könnte zum Beispiel auch zivilgesellschaftlich dringend benötigte Dienste wie Feuerwehr oder THW bedeuten, welche bei zu erwartenden Großereignissen massiv überstreckt werden würden – seien es große Waldbrände (Klimawandel, Sabotage), seien es Unterbrechungen der Infrastrukturellen Versorgung durch (Strom, Wasser, Abwasser, Treibstoffe) durch Klimawandel oder Informationskriegsführung und anders Szenarien.
Dazu bedarf es, wie beim Militär, im Krisenfall zumindest grundlegend ausgebildete Menschen – eine Feuerschneise z.B. kann man nicht mit ungelernten Helfenden per Hand graben, selbst wenn Sie alle fit und gesund sind. das THW braucht an seinen Geräten Leute, die wissen was Sie da in die Hand nehmen – die Feuerwehr auch.
Und es fehlt überall an helfenden Händen, es gibt eben nicht genug Freiwillige.
Und die Bedrohungslage ist ernst.
https://www.bundestag.de/resource/blob/435758/a480927ce006d1454b4e076f65d881d6/wd-2-083-16-pdf-data.pdf
Lieber Sperling, lesen und deinen Kommentar überdenken.
In dem Paper geht es um eine allgemeine Dienstpflicht, ich spreche aber, wie leicht, ganz leicht erkennbar um Wehrpflicht und einen diesen ersetzende „Dienstpflicht“ (früher nannte man das Ersatzdienst, aber begriff sollen sich ja ändern).
Also: Bitte meinen Kommentar bitte nochmal lesen und dabei auch verstehen. Danke!
Eine allgemeine Dienstpflicht, die nicht eine Wehrpflicht mit der Möglichkeit eines Ersatzdienstes darstellt ist nicht umsetzbar. Diese verstößt gegen die Europäische Menschenrechtskonvention.
Jegliche Debatten über eine Dienstpflicht außerhalb der Wehrpflicht sind daher überflüssig.
https://www.bundestag.de/resource/blob/435758/a480927ce006d1454b4e076f65d881d6/wd-2-083-16-pdf-data.pdf