Dieser Artikel ist eine Gastkommentar von Tiberius.
Der Herr Manuel Ostermann, selbsternannter Hüter der inneren Sicherheit und stellvertretender Bundesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft (blaue Augen, blonder Seitenscheitel, noch Fragen?), hat sich mit seinen „markigen“ Thesen längst einen zumindest anrüchigen Namen gemacht.
Doch wie viel Wahrheit steckt wirklich hinter seinen steilen Behauptungen?
Ein genauer Blick auf sein Machwerk Buch „Deutschland ist nicht mehr sicher“ zeigt vor allem eines: Der Herr Ostermann baut seine düstere „Kriminalitätskrise“ auf einem Fundament aus Verzerrungen, Halbwahrheiten und bewussten Fehlinformationen auf. Er malt ein bizarres Bild von Deutschland als einem Land, das auf dem Weg in ein „islamistisch und linksextremistisch geprägtes Utopia“ sei, in dem arabische Clans die Großstädte beherrschen und eine islamisch-rechtsradikale Partei den Bundestag dominiert.
Doch diese Horrorszenarien entbehren jeglicher fundierter Grundlage. Seine Hauptquelle, die Polizeiliche Kriminalstatistik, wird von ihm so bewusst manipulativ und selektiv interpretiert, dass Fakten quasi zur Lüge werden. Dass dabei Zusammenhänge ignoriert werden versteht sich von selbst. Das Buch strotzt nur so von dem, was man heute Fake-News nennt und ist ein Beleg dafür, dass heute in Verlagen keine Lektorate gemacht werden – oder es, wie bei NXT LVL, vor allem um Umsatz geht. Dass man damit gewissen „Leuten“ die Steigbügel hält spielt wohl keine Rolle.
Ein paar Belege
Zum Beispiel behauptet der Herr Ostermann, Straftaten gegen Leib und Leben (eine Kategorie, die es in der von ihm vielzitierten polizeilichen Kriminalstatistik überhaupt nicht gibt) würden explodieren. Diese Behauptung entpuppt sich bei genauer Betrachtung entweder als bewusste Lüge oder klares Zeichen für Uninformiertheit. Mord und Totschlag sind seit Jahrzehnten rückläufig und auf einem historisch niedrigen Niveau (laut polizeilicher Kriminalstatistik). Selbst renommierte Kriminologen widersprechen deutlich: Deutschland war selten so sicher wie heute.
Genauso hanebüchen: Jugendkriminalität habe stark zugenommen. Was er verschweigt: Der kurze Anstieg ab 2022 folgt einem massiven Rückgang während der Corona-Lockdowns und auf lange Sicht ist die Jugendkriminalität heute (laut polizeilicher Kriminalstatistik) viel niedriger als noch vor zwanzig Jahren. Auch bei Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung ignoriert er wichtige Kontextfaktoren wie Gesetzesänderungen, die zu einer höheren Erfassung führen, aber keineswegs zu einer sprunghaften Zunahme von Gewalt. Besonders perfide: Er nimmt auf Straftaten von „Männern aus den Asylhauptherkunftsländern“ Bezug, aber ohne das mit „Fakten“ zu belegen (da war wohl einfach nichts, was man passend verzerren konnte). Dabei bleibt offen: Welche Straftaten? Wie groß ist der Anteil? Welche Bezugsgröße? Gibt es Gegenwert-Daten zu Herkunftsländern und Lage vor der Migration? Möglicherweise waren in seinem Kopf die Zahlen der Tatverdächtigen präsent – also nicht die Zahlen der Verurteilten. In Anbetracht der nicht wenigen rechten Umtriebe in den Polizeien aller Bundesländer sollte man Zahlen von Tatverdächtigen zumindest kritisch betrachten.
Doch der Herr Ostermann schürt Ängste und diffuse Panik, indem er von einer „rasant steigenden“ Furcht vor Kriminalität spricht – eine Aussage, die durch Langzeitstudien klar widerlegt wird. Die Realität zeigt das Gegenteil: Die Angst der Menschen vor Straftaten ist seit Jahrzehnten rückläufig. Der Herr Ostermann spricht auch von „kollektivem Freiheitsverlust durch Angst“ und einer „rasant steigenden Tendenz“ der Kriminalitäts-Furcht. Doch Studien der R+V Versicherung (seit 1992) zeigen, dass die Angst, Opfer einer Straftat zu werden, 2025 bei etwa 20 % liegt, während sie 1995 bei rund 44 % lag.
So etwas nennt man einen Rückgang, Herr Ostermann, keinen Anstieg!
Besonders dreist wird es, wenn der Herr Ostermann plakative Einzelfälle, für die es keinerlei Belege gibt, heranzieht, um seine Thesen zu untermauern. Ebenso verdreht er Tatsachen im Fall des getöteten Philippos T., indem er einen religiösen Hintergrund suggeriert, obwohl das Gericht klargestellt hat, dass es um eine Auseinandersetzung wegen Drogen ging und kein religiöses Motiv vorlag. Dass er den gelogenen Schwachfug von den „Mistgabeln“ im „Hambi“ wiederholt passt da nur ins Bild.
Fazit
Dieser Herr Manuel Ostermann steht damit nicht für eine sachliche Debatte, sondern für eine gefährliche Verbreitung von Halbwahrheiten und Angstmacherei, die das Vertrauen in Polizei und Gesellschaft untergräbt. Es ist höchste Zeit, seine Lügen als solche zu entlarven und der Realität ins Auge zu sehen: Deutschland ist sicherer als es uns der Herr Ostermann mit den stahlblauen Augen und dem blonden Seitenscheitel, oder seine Sympathisanten, im wohl mehrheitlich politisch rechtem Lager weismachen wollen. Fakt.
Im Übrigen bin ich der Meinung, dass man die AfD verbieten sollte.
