Immer wieder wird kritisiert, das „C“ in CDU/CSU sei eine Täuschung, da die Union nicht christlich handle. Diese Kritik verweist zwar auf eine berechtigte Beobachtung, übersieht jedoch einen entscheidenden Punkt: Das „C“ ist keineswegs ein zufälliges Relikt oder eine bloße rhetorische Floskel, sondern Ausdruck einer spezifischen Tradition von Christentum, die sich nicht an der Botschaft Jesu orientiert, sondern an jahrhundertealten kirchlichen Macht- und Ordnungsvorstellungen. Wer das „C“ allein als leere Hülle betrachtet, verkennt, dass es in Wahrheit eine ideologische Funktion erfüllt – nämlich die Legitimation eines konservativen, hierarchischen und autoritätsbezogenen Gesellschaftsbildes, das sich bis heute in der politischen Praxis der Union niederschlägt.
Um zu verstehen, was das „C“ tatsächlich bedeutet, muss man sich von der Vorstellung lösen, es stehe für ein modernes, egalitäres Christentum. Das Zeichen, das die Union seit 1945 trägt, verweist nicht auf universale Nächstenliebe oder die soziale Radikalität der Bergpredigt. Vielmehr ist es Ausdruck eines hierarchischen, patriarchal geprägten und kulturell konservierten Christentums, das Ordnung über Befreiung stellt, Disziplin über Gleichheit und Stabilität über Gerechtigkeit.
Das Fundament der Union liegt nicht in der Botschaft des Neuen Testaments, sondern in konfessionellen Macht- und Morallehren. Katholische Sozialdoktrin und calvinistische Arbeitsethik prägen seit Jahrhunderten das Bild vom Menschen als Wesen, das durch Autorität und strenge Rollen geformt werden muss. Freiheit erscheint darin als Gefahr, Gleichstellung als Auflösung göttlicher Ordnung und gesellschaftlicher Wandel als Bedrohung des Bestehenden. Wer diese ideengeschichtliche Last kennt, versteht, warum die Union ein christliches Profil beansprucht – allerdings eines, das rückwärtsgewandt ist.
Das „C“ der Union steht historisch für ein Weltbild, das Gesellschaft als moralische Ordnung mit klaren Rollen versteht. Die patriarchale Familienstruktur, die die Union jahrzehntelang verteidigte, entspringt direkt kirchlich normierten Vorstellungen: der Mann als Haupt, die Frau als dienende Stütze, die Kinder als gehorsame Schutzobjekte. Diese Hierarchie galt lange als naturgegeben und gottgewollt. Die Union übernahm sie nicht nur, sondern stabilisierte sie staatlich, bis sie dazu nicht mehr imstande war. Ehe wurde zum sakralen Fixpunkt, Frauen auf die Rolle der Mutter reduziert, alternative Lebensentwürfe ignoriert oder aktiv diskriminiert.
Erstaunlich ist, wie wenig diese Ordnung mit der Botschaft Jesu zu tun hat – eines Menschen, der Frauen gleichwertig behandelte, Rollen hinterfragte und Barrieren durchbrach. Die Union schöpft ihr „C” jedoch nicht aus solchen Quellen, sondern aus Dogmen, die Ungleichheit verteidigten. Das „Christliche“ in CDU und CSU ist daher kein Ethos der Würde und Freiheit, sondern ein System, das Menschen in vorgegebene Formen presst und Abweichungen als moralischen Verfall deutet.
Auch im wirtschaftspolitischen Selbstverständnis zeigt sich diese Prägung. Die calvinistische Arbeitsethik hat der Union das Bild des Menschen als arbeitsmoralisches Wesen eingeprägt: Wert bemisst sich an Leistung, Status an Disziplin, Würde an Fleiß. Armut gilt nicht als strukturelles Problem, sondern als individuelles Versagen. Wohlstand erscheint als Belohnung für Tugend. Diese Sichtweise widerspricht der Botschaft Jesu, der die Armen selig sprach und die Reichen warnte, entspricht aber Calvins Gesellschaftsentwurf einer Arbeitsgemeinschaft moralischer Selbstdisziplin.
Die Union hat diese Verknüpfung von Arbeit, Moral und sozialem Wert verinnerlicht. Ihr „C” steht damit nicht für Solidarität, sondern für eine moralische Prüfung der Schwachen. Sozialleistungen gelten nicht als Rechte, sondern als knappe Gnadenakte, die Anreize nicht zerstören dürfen. Dieses Christentum will nicht befreien, sondern bewerten; nicht unterstützen, sondern kontrollieren; nicht stärken, sondern sortieren.
Ähnlich verhält es sich mit der Sexualpolitik. Während viele Gemeinden heute sexuelle Freiheit und Gleichberechtigung anerkennen, orientierte sich die Union lange an einer Moral, die Sexualität mit Gefahr und Sünde verband. Ihr Widerstand gegen reproduktive Selbstbestimmung, gegen die Gleichstellung queerer Menschen und gegen pluralistische Sexualethik war Ausdruck einer Überwachungskultur, gespeist aus kirchlichen Vorstellungen. Das „C” diente nicht der Institutionalisierung von Liebe, sondern der Rechtfertigung von Kontrolle.
Wer das „C” als bedeutungslose Floskel abtut, verkennt seine Funktion. Es ist nicht veraltet, sondern wirkmächtig. Es steht nicht für ein mildes Christentum, sondern für die Behauptung einer kulturellen Ordnung, die die Kirche über Jahrhunderte verteidigt hat. „Christlich-abendländisch“ bedeutet hier nicht Evangelium, sondern die Bewahrung einer hierarchischen, autoritätsbezogenen Gesellschaftsstruktur.
Damit ist das „C“ der Union tatsächlich christlich – aber in einem Sinn, der mit Jesu Botschaft nur den Namen teilt. Es verweist auf Kirchenobrigkeit statt auf Freiheit, auf Disziplin statt auf Nächstenliebe, auf moralische Ordnung statt auf ethischen Aufbruch.
Das Führungsverständnis der Union lässt sich nur im Zusammenhang mit diesem Weltbild begreifen. Autorität erscheint nicht als demokratisches Instrument, sondern als gottgewollte Ordnung, die von oben durchgesetzt wird. Führung bedeutet nicht Dialog oder Verantwortung gegenüber gleichberechtigten Bürger:innen, sondern das Durchsetzen einer Hierarchie, gespeist aus kirchlich-patriarchalen Strukturen. Kritik gilt nicht als demokratischer Beitrag, sondern als Störung der Ordnung. So entsteht ein Politikstil, der formal demokratisch wirkt, aber strukturell Kontrolle und Rückwärtsgewandtheit reproduziert.
Die CSU verkörpert diesen Ansatz besonders konzentriert, verklärt ihn als „bayerische Identität“ und verbindet ihn mit Heimatkult. Tradition erscheint nicht als kulturelles Erbe, sondern als Bollwerk gegen Fortschritt. Unter Markus Söder wurde diese Haltung nicht abgeschwächt, sondern modern inszeniert: Hinter Klimabäumen und Trachten-Selfies bleibt eine Politik bestehen, die Frauenrechte nur zögerlich akzeptiert, Diversität als Störung behandelt und soziale Verantwortung in Moraldebatten verwandelt. Gerade weil diese Haltung selbstverständlich wirkt, fällt ihre Rückständigkeit oft nicht mehr auf.
Es wäre daher ein Irrtum, das „C“ als leere Phrase zu sehen. Es ist ein politisches Bekenntnis – allerdings zu einer Vergangenheit, die sich weigert, mit der Gegenwart Frieden zu schließen. Die Union führt das Kreuz nicht als Symbol der Mitmenschlichkeit, sondern als Markenzeichen kultureller Bewahrung. Wer christliche Politik im Sinne Jesu sucht, findet unter diesem „C” keinen Raum.
Die eigentliche Frage lautet daher nicht, warum die Union noch ein „C“ trägt, sondern warum so viele Menschen weiterhin glauben, es stehe für Gerechtigkeit, Liebe oder Freiheit.

Das C steht heute bei der CDU vor allem für eines: Corruption !
Das zeigt das Spahnsche Maskendeal oder jetzt die Korruptionsaffäre um Weimer….. Ganz kurz unter Ludwig Erhardt stand die CDU mal für freie Marktwirtschaft, aber auch nur kurz bevor das durch Etatismus und Staatskontrolle und Vetternwirtschaft abgelöst wurde.
Das Drama ist aber das die CDU mit den Grünen zusammen die einzige Partei ist die Europa noch vor Putin verteidigen will. Mit Scholz hat man ja gesehen wie sehr die Ukraine Hilfe sabotiert wurde, LINKE, BSW und AfD würden sich eh sofort dem großen Bruder in Moskau unterwerfen. Grüne leider dem Islamismus, erinnere mich noch wie die Feministische Außenministeriun durch die Welt gereist ist um Geld an Islamisten zu verteilen, das Syrische HTS Regime das aus al Qaida/ISIS hervor gegangen ist, selbst nach Taliban Afghanistan sind Gelder geflossen.
Ich hoffe das Piraten oder hdp zur Landtagswahl in Baden Württemberg antreten, sonst wäre ich gezwungen wegen dem Ukraine Thema als kleinstes aber immer noch sehr großes Übel CDU Curruption zu wählen.
Damit wir Piraten in Baden-Württemberg antreten können, benötigen wir aktuell noch Unterstützungsunterschriften. Wenn du unterschreiben willst, findest du hier weitere Infos 🙂
https://www.piratenpartei-bw.de/
Man muss nur ins späte Mittelalter schauen, wie damals die Machtverhältnisse waren.
Die Kirchen hatten die Macht, wer sich ihnen unterwarf und Geld mitbrachte war gerne gesehen. Der Pöbel war zum Ausbeuten da. Und wer gegen die Kirche und ihre Anhänger war, der war ein Ketzer. Sexualität war ein Tabu, dem hinter den Türen um so mehr gefröhnt wurde.
Interessanter Weise habe ich diese Auslegung der Bezeichnung „Christlich“ schon vor langer Zeit gesehen. Und wurde als Schwarzseher bezeichnet… Kann ja gar nicht sein….