Dieser Artikel ist ein Gastbeitrag von Jeanine B. aus H., Beisitzerin im Landesvorstand der Piratenpartei Nordrhein-Westfalen und Sprecherin des Ressorts IV Gesundheit, Familie und Soziales des Landesverbandes.
Nun sind wir ein Jahr weiter. Weltfrauentag 2026. Ein Grund, mal das Jahr Revue passieren zu lassen, was sich in wie weit verändert hat. Schließlich gab es ja auch den Beschluss zum Gewalthilfegesetz [1], welches in Teilen ab dem 28.02.2025 in Kraft getreten ist.
Kurzer Exkurs für den historischen Kontext
Clara Zetkin, eine amerikanische Sozialistin, schlug erstmals 1910 auf der Zweiten Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz in Kopenhagen die Einführung eines internationalen Frauentags vor, um hier die Gleichstellung der Frauen und ihr Wahlrecht weltweit zu fördern.
Der erste offizielle Weltfrauentag fand dann am 19.03.1911 in mehreren europäischen Ländern statt. Über eine Million Menschen nahmen an den Veranstaltungen in Deutschland, Österreich, Dänemark und der Schweiz teil.
Dann kam die Februarrevolution von 1917. Das russische Volk, hier unter anderem auch Arbeiter, Bauern und Soldaten, waren mit den Lebensbedingungen, der politischen Unterdrückung und der anhaltenden Kriegsbelastung durch den Ersten Weltkrieg unzufrieden. Sie litten unter Hunger, Armut und Kriegsmüdigkeit. Russland befand sich im Ersten Weltkrieg und in einer tiefen Krise.
Doch am 08. März 1917 geschah etwas unvorstellbares.
Frauen traten in Petrograd (heute St. Petersburg) in den Streik. Sie protestierten gegen Hunger, schlechte Arbeitsbedingungen und den Krieg. Der Streik begann in den Textilfabriken und breitete sich schnell auf andere Industriezweige und gesellschaftliche Gruppen aus. Die Forderung der Frauen am 08. März 1917: „Brot und Frieden“ – als Symbol für die dringenden Bedürfnisse der Bevölkerung.
Die Streiks führten zu massiven Unruhen in der Hauptstadt, doch Arbeiter und Soldaten schlossen sich den Demonstrationen an. Der daraus resultierende Druck auf den Zar, Nikolaus II., wuchs so stark an, dass er letztendlich am 15.03.1917 abdankte. Hierdurch endete die mehr als 300 Jahre währende Herrschaft der Romanow-Dynastie. Aber die hiernach provisorisch gebildete Regierung blieb im Ersten Weltkrieg und konnte auch die vielen sozialen Probleme nicht lösen. Jedoch erhielten Frauen in Russland nach der Februarrevolution erstmals das Wahlrecht.
Fallzahlen zur geschlechtsspezifischen Gewalt in Deutschland
Die neuesten Erhebungen des Bundeskriminalamts für das Jahr 2025 dokumentieren einen besorgniserregenden Anstieg geschlechtsspezifischer Gewalt in Deutschland. Insgesamt wurden knapp 270.000 Fälle häuslicher Gewalt registriert, davon über 73 % weibliche Opfer. Die Zahl der sexuellen Übergriffe, insbesondere gegen Kinder, verzeichnete einen Zuwachs von 8,5 %. Zudem ist die Zahl queerfeindlicher Straftaten deutlich gestiegen, ebenso wie Fälle digitaler Gewalt, die inzwischen jede fünfte Frau und jeden siebten Mann betreffen. [2, 3] Diese Entwicklungen unterstreichen die Dringlichkeit, geschlechtsspezifische Gewalt als gesamtgesellschaftliches Problem noch entschiedener zu bekämpfen.
Die Piratenpartei NRWfordert daher eine verstärkte politische und gesellschaftliche Initiative zur Prävention und zum Schutz der Betroffenen. [4] Insbesondere bedarf es einer verbesserten Ausstattung der Polizei und der Justiz sowie der Ausweitung digitaler Hilfs- und Beratungsangebote. Nur durch konsequentes Handeln kann gewährleistet werden, dass alle Menschen in Deutschland frei von Gewalt und Diskriminierung leben können.
Im Hier und Jetzt: Weltfrauentag 2026 und wofür man sich 2026 einsetzt!
Wir leben in einer Ära, in der intersektionaler Feminismus die Vielfalt von Identitäten und Erfahrungen in den Mittelpunkt stellt – dennoch sind Gleichstellung, Respekt und Schutz vor Gewalt weiterhin dringend notwendige Ziele. Frauen* stehen auch heute noch vor großen Herausforderungen. Dabei gilt es ebenso, die Errungenschaften zu bewahren, für die unsere Mütter und Großmütter mit viel Mut und Ausdauer gekämpft haben. Ihr Engagement bildet das Fundament, auf dem wir heute aufbauen – eine historische Leistung, deren Wert wir anerkennen und schützen müssen.
Die Piraten stehen fest an der Seite aller Frauen* und marginalisierten Gruppen – für eine Gesellschaft, in der Freiheit, Würde und Sicherheit für alle Menschen selbstverständlich sind.
Nur durch gezielte politische Maßnahmen und gesellschaftliches Engagement können wir die Ursachen von Gewalt und Diskriminierung nachhaltig bekämpfen. Die folgenden Forderungen sind deshalb unverzichtbar, um Betroffene effektiv zu schützen, präventiv zu wirken und eine inklusive Gesellschaft zu schaffen, in der alle Menschen gleichberechtigt und sicher leben können. [5]
Konkrete Forderungen der Piratenpartei für den Schutz und die Gleichstellung von Frauen
Verbesserte Finanzierung und Ausstattung von Polizei und Justiz
Für effektiven Opferschutz und konsequentes Vorgehen gegen geschlechtsspezifische Gewalt sind spezialisierte Einheiten, Schulungen und schnellere Verfahren notwendig.
Ausbau digitaler Hilfs- und Beratungsangebote
Digitale Angebote bieten niedrigschwellige, sichere und vertrauliche Unterstützung, die flächendeckend ausgebaut werden muss.
Stärkung präventiver Bildungsarbeit
Aufklärung zu Gleichstellung, Consent und digitaler Gewalt in Schulen und öffentlichen Einrichtungen ist essenziell, um langfristig gesellschaftliche Normen zu verändern.
Anpassung rechtlicher Rahmenbedingungen
Gesetze müssen kontinuierlich überprüft und an neue Formen von Gewalt, insbesondere im digitalen Raum, angepasst werden.
Förderung von Diversität und Inklusion
Gleichstellungspolitik muss alle Geschlechter, sexuellen Orientierungen und Lebensrealitäten mitdenken, um Diskriminierung umfassend abzubauen.
Die Rechte und Freiheiten, die wir heute haben, sind das Ergebnis unermüdlichen Einsatzes und dürfen niemals als selbstverständlich angesehen werden. Das patriarchale System, das diese Errungenschaften immer wieder herausfordert, muss konsequent überwunden werden, damit echte Gleichstellung und Gerechtigkeit für alle Wirklichkeit werden.
[1] https://www.gesetze-im-internet.de/gewhg/BJNR0390B0025.html
[2] https://www.bka.de/SharedDocs/Kurzmeldungen/DE/Kurzmeldungen/250828_BLBMenschenhandel.html
[5] https://wiki.piratenpartei.de/Parteiprogramm

Ihr Piraten sagen Russische Revolution: Danach hätte es für Frauen das Wahlrecht gehabt ? Wie bitte ?
Ja wen durften die Frauen denn dann Wählen. Lenin ? Stalin ?
Was war mit den hunderttausenden Frauen die ins Gulag gesteckt und dort meist auch sexuell missbraucht wurden. Was mit den hunderttausenden ukrainischen Frauen die im Holodomor in der Ukraine absichtlich verhungert wurden ?
Russische Revolution und Kommunismus war jetzt keine solche Erfolgsgeschichte für die Frauen am Ende.
Nein, dass sagen nicht wir Piraten sondern eine Person aus NRW. Der Bundesverband hat zum Thema ja ein paar andere Worte geschrieben und hat zum russischen Angriffskrieg eine glasklare Position.
Der Beitrag wirkt wie eine Collage aus Schulbuchtexten, bei der man sich entschieden hat, auf so etwas wie einen roten Faden lieber zu verzichten.
Nach 1917 hätte man ja vielleicht die Entwicklung in Russland weiterverfolgen können – stattdessen springt der Text überraschend nach Deutschland. Der Zusammenhang bleibt dabei angenehm offen für Interpretationen.