18. April 2026

Der Kronprinz ohne Kronland

8 thoughts on “Der Kronprinz ohne Kronland

  1. Ein Übergang von den Islamisten auf eine andere Regierungs und Staatsform wird sehr blutig ablaufen. Nachdem die Mullahs 30-50.000 Zivilisten ermordet haben wird es da viele geben die Rache wollen. Eine neue Regierung unter Pahlavi oder einem demokratischen Parlament wird wiederum von Islamisten bekämpft werden und musst sich gegen diese durchsetzen. Das wird alles nicht mit Samthandschuhen und wattebäuscchen möglich sein.

    Beste Voraussetzungen also das da neue Geheimdienst Strukturen aufgebaut werden die ebenfalls wieder recht brutal sein „müssen“ damit der neue Staat überhaupt existieren kann. All zu große Illusionen sollte man sich da leider besser nicht machen.

    Wenn die Finanzierung und Bewaffnung von Terror Proxys eingestellt wird und statt in Atomwaffen und Raketen gegen Israel mehr in das Land investiert wird dürfte es aber vielen Iranern und auch Bewohnern im nahen Osten besser gehen. Realistisch gesehen wäre es also dennoch ein Fortschritt zum Status Quo, wenn auch alles andere als Ideal. Bis zu einer echten Politik der Menschenrechte dürfte es im Iran daher noch lange hin sein.

    Das die Iraner sich hinter Pahlavi vereinen dürfte auch Verzweiflung sein… und Mangel an anderen bekannten Oppositionsfiguren. Die Demonstrationen im Januar spontan und eine gut organisierte bewaffnete Guerillia die bewaffneten Kampf gegen die Mullahs führt fehlt offenbar immer noch. Da bleibt dann nicht mehr viel übrig als auf den Exil Monarchen, Netanjahu oder Trump zu hoffen. Möglicherweise ist das dann viel zu wenig. Dezentraler Widerstand hört sich toll an. In Demokratien ist dezentraler Aktivismus ja durchaus auch wirkmächtig. In Totalitären Diktaturen reicht das noch lange nicht aus für Veränderungen. Das 1989 der Zusammenbruch der Sovietunion durch dezentralen Friedlichen Widerstand funktioniert hat, wohl auch nur weil Gorbatschow zu nett war um das in einem Massaker zu beenden. Das war historisch gesehen eine sehr sehr seltene Ausnahme.

    Kann mir vorstellen. Viele Iraner unterstützen Pahlavi nicht weil Sie Monarchie wollen sondern weil es Organisierung braucht damit eine Revolution funktionieren kann. Jene Organisierung an der es eben bisher gefehlt hat. Für die Entwicklung einer freiheitlichen Demokratie kann das später natürlich wiederum ein Hindernis sein.

    1. Du hast Recht.
      „Das die Iraner sich hinter Pahlavi vereinen dürfte auch Verzweiflung sein… und Mangel an anderen bekannten Oppositionsfiguren.“
      Komisch ist, dass Iranstämmige, die 40 Jahre zusammen gearbeitet haben und sich verstanden, an dieser Stelle auf einmal sogar die Freundschaft kündigen. Es kommt einem so vor, wie zur Coronazeit, als es (fast) ganze Familien zerrissen hat. Eine Guerillia düfte unwahrscheinlich sein. Ein 18-jähriger wurde gerade erhängt, da er aus einem Arsenal der „Revolutionsgarde“ Waffen entwenden wollte. Auch mit der Ausnahme dürftest Du recht haben. Bei der „Unterstüzung“ von dem Shah-Sohn muss man vorsichtig sein. Er ist wirklich nur der einfachste Kristalisationspunkt. Gut war er noch nie und was man so in den Medien sieht ist leider auch nicht mehr sauber recherchiert.

  2. Der Artikel ist nicht nur schlecht strukturiert – er wirkt angesichts der Realität im Iran geradezu zynisch. Während dort Menschen systematisch verhaftet, gefoltert, verschleppt und in großer Zahl getötet werden, während Protest für viele ein Todesurteil bedeutet und Familien um Verschwundene und Ermordete trauern, entwirft man hier aus sicherer Distanz politische Deutungen und Szenarien, als ginge es um ein theoretisches Planspiel.

    Schon die Diskrepanz zwischen Überschrift und Inhalt zeigt das Problem: Die starke, fast dramatische Metapher wird im Text nicht eingelöst. Statt einer klaren Argumentation folgt ein sprunghafter, chaotischer Gedankengang, der mehr verschleiert als erklärt. Der Leser bleibt nicht mit Erkenntnis zurück, sondern mit dem Eindruck, dass hier eher Assoziationen aneinandergereiht werden als eine ernsthafte Analyse stattfindet.

    Besonders irritierend ist die moralische Selbstsicherheit, mit der der Text auftritt. Es wird implizit behauptet zu wissen, was „der richtige Weg“ für Iran sei oder was „das Volk will“ – ohne die Realität derjenigen ernsthaft einzubeziehen, die die Konsequenzen tragen. Wer unter Lebensgefahr protestiert, braucht keine wohlfeilen Deutungen aus sicherer Entfernung, sondern eine Darstellung der tatsächlichen Zustände.

    Auffällig ist zudem, dass diese Verschiebung der Debatte kein Zufall ist, sondern einem bekannten Muster folgt: Statt die Gewalt, Repression und Verantwortung des Regimes in den Mittelpunkt zu stellen, wird die Diskussion auf alternative Führungsfiguren, historische Vergleiche oder ideologische Grundsatzfragen gelenkt. Das Ergebnis ist eine Entlastung des Status quo – nicht durch offene Verteidigung, sondern durch Verlagerung des Fokus.

    Gerade in Bezug auf Iran ist dieses Muster besonders problematisch, weil es die Perspektive derjenigen verdrängt, die tatsächlich betroffen sind. Während vor Ort Menschen verhaftet, gefoltert und getötet werden, kreisen Teile der Debatte im Ausland um theoretische Machtfragen oder symbolische Figuren. Diese Verschiebung wirkt nicht nur realitätsfern, sondern erfüllt funktional genau den Zweck, den autoritäre Systeme brauchen: Ablenkung und Fragmentierung der Aufmerksamkeit.

    Auch der Umgang mit historischen Figuren wie Mohammad Mossadegh folgt dieser Logik der Vereinfachung. Komplexe historische Zusammenhänge werden auf eine moralisch eindeutige Erzählung reduziert, die sich leicht in aktuelle politische Argumente übersetzen lässt. Dabei wird übersehen, dass Geschichte selten so eindeutig ist, wie sie im Nachhinein dargestellt wird. Die Instrumentalisierung solcher Figuren ersetzt keine Analyse der heutigen Verhältnisse im Iran – sie trägt im Gegenteil dazu bei, den Blick von der Gegenwart abzulenken.

    Vollends unglaubwürdig wird der Text dort, wo er am Beispiel von Parviz Sabeti (89) moralische Maßstäbe formuliert, die angeblich für „unsere Systeme“ gelten. Diese Haltung blendet historische Realität aus und konstruiert eine bequeme Überlegenheit, die es so nie gegeben hat. Gerade die deutsche Nachkriegsgeschichte zeigt, dass ehemalige Täter sehr wohl weiterhin in Amt und Würden bleiben konnten. Wer diese Vergangenheit ignoriert, argumentiert nicht nur selektiv, sondern verliert auch jede moralische Glaubwürdigkeit.

    Am Ende bleibt ein Text, der weniger zur Aufklärung beiträgt als zur Verzerrung: belehrend im Ton, inkonsequent in der Argumentation und politisch bemerkenswert schwach.

    1. Der Artikel bezog sich einzig und alleine auf die Person und die scheinbare Wichtigkeit oder das die Person das iranische Volk vertreten könne.

      😚

      1. Am 6. Januar rief Reza Pahlavi zu koordinierten Demonstrationen für den 8. und 9. Januar auf. Dieser Aufruf wurde auf Instagram (Der wichtigsten Social Media Plattform im Iran selbst) über 90 Millionen mal angesehen (Bei durchschnittlich 40 Mio. bei anderen Posts), seit der Internetsperre werden seine Posts nur noch knapp 9 Mio. mal angesehen, von daher kann man leicht seine Reichweite im Iran selbst ausrechnen und warum Abermillionen Iraner auf den Straßen des Irans seinen Namen riefen.

        Im Sommer letzten Jahres konnte er in München alle demokratischen Kräfte hinter sich vereinen und das Programm, das die iranischen Demokraten vorstellten wurde von 1,4 Millionen Iranern innerhalb weniger Tage angenommen, weit mehr, als Petitionen im Bundestag erlangen in weit längerer Zeit.

        In deinem Beitrag sieht man, das du dich in keinster Weise mit der Person Reza Pahlavi auseinandergesetzt hast oder auch nur eines seiner Bücher gelesen hast, in der er sich auch mit den Fehlern seines Vaters auseinander gesetzt hat.

        Auch deine Angaben zum SAVAK, die auf einem verfälschten Bericht von Amnesty International aus dem Jahr 1978 stammen, sind seit Jahren widerlegt.

        In den Jahren zwischen Khomeinis Verhaftung am 5. Juni 1963 wegen Anstiftung zu den Unruhen gegen die Weiße Revolution des Schahs und seiner Rückkehr aus dem Exil am 1. Februar 1979 starben 3.164. Menschen in Zusammenhang mit Sicherheitskräften der iranischen Regierung, davon wurden 2.781 auf Grund der Islamischen Revolution 1978/79.

        Vor der Islamischen Revolution starben 341 Menschen in Zusammenhang mit Sicherheitskräften des Iran. Davon waren 172 Fedajin (Vorläufer der IRGC), 73 Mudschahidin Khalq (MEK), 38 Randkommunisten, 30 Marxisten/Tudeh und 28 Islamisten. 177 bei Schießereien mit den Sicherheitskräften des Schahs; 91 wurden wegen „staatsfeindlicher Aktivitäten“ hingerichtet; 42 starben unter der Folter; 15 wurden verhaftet und „verschwanden“, 7 begingen Selbstmord vor einer Verhaftung und 9 wurden auf der Flucht erschossen.
        https://www.emadbaghi.com/en/archives/000592.php

        Auch die Zahl von angeblich 100.000 politischen Gefangenen ist völliger Quatsch, selbst Zahlen wie 25.000 sind Maßlos übertrieben, wie die Untersuchungen der Britischen Regierung klar belegen. Deine Zahlen stammen von genau den „Linken“ und islamistischen Gruppen, die 1979 den Shah zu Gunsten Khomeinis stürzten und das Blut zahntausender Iraner an ihren Händen haben.
        https://iranjournal.org/gesellschaft/folter-iran-schah

        Weniger Islamistische und Stalinistische Propaganda und mehr Fakten wären angebracht.

        1. Öhm, mag sein das der Mann ein Heiliger ist der nicht mit Leuten aufgewachsen ist, die aus einer brutale Diktatur kamen. Ok, kann sein das die SAVAK eigentlich die Iranische Heilsarmee war und die „Prügel-Perser“ nur eine Erfindung der „Linken“ – aber Instagram-Statistiken als valide Quelle? Ernsthaft? Und Thema Bücher: Was jemand schreibt, oder auch sagt, spielt nur dann eine Rolle wenn sein Handeln kongruent ist – und wer sich mit Leuten wie … ah, Moment, ich vergaß. Die SAVAK war ja ne Art Heilsarmee. Also alles fit, ich gebe zu: Da lag ich vollkommen falsch. Mea culpa.

          1. 1. Das sind verifizierte Angaben der britischen Regierung, die dem Iran feindlich Gegenüber waren (illegale Besatzung während des 2. Weltkrieges)
            2. Niemand sagt, das der Savak unschuldig ist, aber im Konzert des Nahen Osten zu der Zeit (Bürgerkrieg in Jordanien/Schwarzer September/Fatah Staat im Libanon/ politische Säuberungen in den Golfstaaten und selbst gegenüber der vollstreckten Todesurteile in der Weimarer Republik war der Savak, für den der demokratische Oppositionsführer Reza Pahlavi Nichts kann, sehr Milde.

  3. Der SAVAK und Parviz Sabeti der inzwischen fast 90 ist, waren ein grausamer Folterapparat – das ist unbestritten. Dennoch ist es eine Pahlavis fehlende Distanzierung ein schwerer Vorwurf. Der SAVAK-Vorwurf hat einen realen Kern. Allerdings dient er der MEK und ihren Sympathisanten häufig als Dogwhistle, um Pahlavi zu diskreditieren. Damit spalten sie die Opposition genau in dem Moment, in dem Einheit gegen das Regime nötig wäre. Als Piraten lehnen wir die MEK klar ab, dass haben wir in unserem PP zum Iran klargemacht und sollten hier weiter Distanz zeigen und uns auf das wesentliche Konzentrieren und dass ist das Mullahregime muss weg.
    Wir haben ja in der Vergangenheit immer wieder gezielt Anfragen bekommen zu Veranstaltungen welche am Ende sich als MEK Nahe Sachen herausgestellt hatten und deswegen wir diese klar abgelehnt haben, wie es auch unserer PP vom Hamburger Parteitag klar ausdrückt und ich selbst hatte es damals in meinem Interview in der Flaschenpost wie auch damals Borys in seinem Beitrag 2023 für die PP BW dann klar kommuniziert. Es wäre wichtig, dass wir nicht über unsere Plattformen einfach Dinge nachplappern, welche am Ende nur die harte Linie gegen das verbrecherische Mullahregime aufweicht. Die Sache wie die Iraner am Ende ihre Zukunft gestalten ist am Ende und dass sagen wir als Piraten ja unmissverständlich die Sache der Iraner selbst.
    Trotzdem ist der Artikel zynisch, sprunghaft strukturiert und realitätsfern. Während man im Text gefühlt seitenlang mit Verbrechen von vor 47 Jahren abrechnen, sterben hier und jetzt im Iran 2026 täglich Menschen unter dem Mullah-Regime – oft mit denselben Methoden, nur in größerem Maßstab. Der Text lenkt den Blick weg von den aktuellen Tätern und spaltet die Opposition genau dann, wenn sie Einheit braucht.
    Viele Iranerinnen und Iraner unterstützen Reza Pahlavi nicht aus Monarchie-Romantik, sondern weil er derzeit der stärkste säkulare Kristallisationspunkt für einen geordneten Übergang ist. Ich bin darauf ja klar damals in meinem Interview zum Thema in der Flaschenpost selbst als auch in meinen Vorträgen bei der diesjährigen PSC als auch bei der Antifakneipe in Oberhausen darauf eingegangen. Statt historischer Rechnungen aus sicherer Distanz brauchen wir jetzt klare Solidarität mit denen, die auf der Straße ihr Leben riskieren.

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