Am späten Mittwoch Abend bekam euer Sperling einen etwas irritierenden Anruf aus Arnsberg. Ein „David“ war dran, er hatte ein Problem: Ihr CDU Stammtisch „Christliche Mitte“ hat mehrfach versucht, einen Brief an Kanzler Merz zu veröffentlichen, scheiterte aber am Internet. Facebook will man nicht mehr benutzen wegen der vielen schlechten Reaktionen, und sonst war es auch sehr schwierig. Außerdem wolle man ja gelesen werden und da scheidet ein eigener „Block“, wie er es nannte, aus. Denn Sie wollen das in Zukunft öfter machen.
Der junge Neffe von Karl-Heinz war dieses mal am Stammtisch und hat vorgeschlagen, frag doch mal die Piraten, die trauen sich sowas, und er hat ihm auch gleich die Telefonnummer (GRRR!) vom Sperling gegeben. Der Sperling war etwas überrascht, dann vorsichtig und hat erst einmal um den Brief gebeten. Der kam dann gleich noch am Abend als Scan. Am morgen hatte der Neffe noch ein mit „KI“ angepasstes Bild vom Stammtisch geliefert, das kam dann auch gleich.
Nach dem Lesen des Briefs war uns klar: Natürlich sind wir da gerne behilflich. Vielen Dank an David und vor allem vielen Dank an den Stammtisch!
Ein Brief aus dem Sauerland
An: Unseren Bundeskanzler Friedrich Merz
Von: Seinen treuesten Anhängerinnen und Anhängern, Stammtisch „Christliche Mitte“ Arnsberg-Hüsten e.V.
Datum: 1. Juni 2026
Sehr geehrter Herr Bundeskanzler, lieber Friedrich,
wir schreiben Dir heute, weil diese Woche in den Zeitungen einige Dinge standen, über die wir beim Stammtisch gesprochen haben, und weil wir finden, dass man auch mal Danke sagen sollte. Wenn man immer nur Briefe schreibt, wenn etwas schwierig ist, ist das schwierig finden wir. Diesmal ist es auch schwierig, aber wir schreiben trotzdem Danke, weil wir grundsätzlich hinter Dir stehen, und das möchten wir deutlich machen, bevor wir zu den anderen Punkten kommen.
Zur Frage des Sondervermögens, Teil Eins: Das Geld ist da
Gerhard hat uns diese Woche etwas vorgelesen, das er in der Zeitung gefunden hatte. Es ging darum, dass von den für das Jahr 2025 geplanten 37,2 Milliarden Euro aus dem Sondervermögen nur rund 24 Milliarden Euro tatsächlich ausgegeben worden sind. Das sind, wenn man nachrechnet, ungefähr 13 Milliarden Euro weniger als geplant, was Karl-Heinz auf einem Zettel notiert hat, weil er die Zahl so beeindruckend fand. Gerhard hat den Satz zweimal vorgelesen, weil er ihn beim ersten Mal selber kaum glauben konnte.
Wir möchten aber darauf hinweisen, dass 24 Milliarden Euro immer noch sehr viel Geld sind. Karl-Heinz hat das in Verhältnis zu seinem Jahresgehalt gesetzt und ist dabei auf eine Zahl gekommen, die er lieber nicht laut ausgesprochen hat, weil Brigitte dabei war. Der Punkt ist: Es wurde Geld ausgegeben. Weniger als geplant, aber doch sehr viel. Wir finden, das sollte man auch einmal sagen.
Zur Frage des Sondervermögens, Teil Zwei: Das Geld kommt noch
Gerhard hat außerdem herausgefunden, dass die Bundesregierung als Begründung für die Minderausgaben die vorläufige Haushaltsführung im vergangenen Jahr angibt und die Tatsache, dass das Sondervermögen erst im Herbst 2025 richtig eingerichtet worden ist. Das leuchtet uns vollständig ein. Man kann schließlich kein Geld ausgeben, das noch nicht richtig da ist, auch wenn es schon da ist, aber eben noch nicht richtig. Gerhard hat erklärt, das sei ein technischer Unterschied, und wir haben ihm geglaubt, auch wenn Karl-Heinz anschließend sehr lange aus dem Fenster geschaut hat, ohne etwas zu sagen.
Die Zeitung hat das ein „gigantisches Strohfeuer“ genannt, was wir für übertrieben halten. Ein Strohfeuer brennt schnell und heiß und ist dann vorbei. Das Sondervermögen läuft über zwölf Jahre. Das ist schon ein sehr großes, aber doch sehr langsames Feuer. Ob das besser ist, hat Brigitte gefragt, und wir haben ihr erklärt, dass das jedenfalls nicht dasselbe ist, was sie dann auch eingesehen hat, mehr oder weniger.
Zur Frage der Schuldenbremse, die wir jetzt Sondervermögen nennen
Jetzt müssen wir etwas ansprechen, das bei uns auf dem Stammtisch zu einer längeren Diskussion geführt hat, obwohl wir am Ende alle derselben Meinung waren, und die Meinung war: Du hattest damals recht, und Du hast auch jetzt recht, und das ist kein Widerspruch.
Karl-Heinz hat nämlich zwei Zettel. Der erste Zettel enthält Dinge, die Du über die Schuldenbremse gesagt hast, als sie noch heilig war. Wir möchten den Zettel hier nicht vollständig abschreiben, aber der Grundton war: Die Schuldenbremse sei das Fundament seriöser Haushaltspolitik, eine Frage der Generationengerechtigkeit, das Einzige, was dieses Land langfristig vor dem fiskalischen Absturz bewahre. Karl-Heinz hatte das aufgeschrieben, weil er es so gut fand.
Der zweite Zettel enthält die Zahl 500 Milliarden Euro und das Wort Sondervermögen und ein Fragezeichen, das Karl-Heinz selbst hinzugefügt hat, weil er sich nicht sicher war, wie er die beiden Zettel zusammenbringen soll. Er hat dann Gerhard gefragt, und Gerhard hat erklärt, dass ein Sondervermögen keine Schulden seien, sondern Investitionen in die Zukunftsfähigkeit des Landes. Karl-Heinz hat daraufhin das Fragezeichen durchgestrichen und ein Ausrufezeichen hingeschrieben, was wir für die richtige Entscheidung halten.
Er hat dann aber noch ein zweites Fragezeichen hinzugefügt, weil ihm eingefallen war, dass Investitionen, die man plant aber nicht ausgibt, dann auch keine Investitionen sind, sondern Absichten. Aber das ist ein sehr feiner Unterschied, und wir finden, man sollte Politik nicht an so feinen Unterschieden messen. Das wäre kleingeistig. Gerhard hat zugestimmt, und Brigitte hat gesagt, sie finde das alles ein bisschen viel, aber das meinte sie nicht böse.
Zur Frage, was wir daraus lernen
Wir möchten abschließend festhalten, was wir aus dieser und der letzten Woche mitgenommen haben, weil wir es für wichtig halten, auch als einfache Bürger aus dem Sauerland politisch lernfähig zu bleiben.
Erstens: Schulden sind schlecht, außer wenn sie Sondervermögen heißen. Das haben wir verstanden.
Zweitens: Geplante Ausgaben, die nicht ausgegeben werden, sind eigentlich gute Nachrichten, weil das Geld dann noch da ist. Das hat Gerhard erklärt, und es klingt plausibel.
Drittens: 74 Prozent sind, wie Gerhard herausgefunden hat, eigentlich eine sehr gute Quote, wenn man bedenkt, dass das Programm erst im Herbst begann und das Jahr schon fast vorbei war. Karl-Heinz hat gerechnet und gesagt, bei ihm im Betrieb wäre das eine Abmahnung. Aber Karl-Heinz hat ja auch keine 500 Milliarden Euro, also ist der Vergleich vielleicht nicht ganz fair.
Wir stehen hinter Dir. Wir standen hinter der Schuldenbremse. Wir stehen hinter dem Sondervermögen. Wir stehen auch hinter den 13 Milliarden, die noch kommen werden, irgendwann in den nächsten elf Jahren. Das ist eine Menge Zeit, und wir sind geduldig. Wir sind das Sauerland.
In herzlicher Verbundenheit und mit freundlich-konservativem Gruß,
Der Stammtisch „Christliche Mitte“ Arnsberg-Hüsten e.V.
(Mitgliederzahl: rückläufig, Überzeugung: stabil)
P.S.: Karl-Heinz hat beide Zettel aufgehoben. Er weiß noch nicht, was er damit machen soll. Seine Frau hat gesagt, er soll sie wegschmeißen. Er hat sie noch nicht weggeschmissen.
P.P.S.: Brigitte lässt schön grüßen. Sie findet das alles ein bisschen viel, aber das meint sie nicht böse.

Ist doch super, das mit dem Sondervermögen. Damit kann man dann die ganze Industrie die sich deindustrialisiert einfach ersetzen. Wirtschafts und Industriepolitik kann man sich sparen. Man druckt einfach mehr Geld und nennt es Sondervermögen.
Wichtig ist nur das das Geld CO2 Neutral gedruckt wird wegen dem Klima und das die Motive auf den Geldscheinen Gendergerecht sind. So lassen sich alle Probleme lösen und wir können weiterhin in Freiheit und Wohlstand leben. China wird uns schon immer die neusten Konsumprodukte liefern im Austausch gegen unser bedrucktes Papier. Was soll da also schon schief gehen können ?
Naja, das krude Märchen von der „Deindustrialisierung“ durch die Regierung oder „geheime Mächte“ ist schon etwas schwierig. Wenn Branchen wie die deutsche Autoindustrie zu blöd ist, um mit dem Markt zu gehen und sich zu erneuern, wird es ihr wie NOKIA ergehen, die keine vollflächigen Touchscreen-Smartphone bauen wollten.