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Was nach der Zombieapokalypse wirklich gebraucht wird: Folgeartikel zu „Was bleibt, wenn das Licht ausgeht„
Es gibt tausende Bücher darüber, wie man eine Zombieapokalypse überlebt. Wasser aufbereiten, Fallen bauen, Konserven horten, Waffen beschaffen. Wie man sich in einem verlassenen Supermarkt verschanzt, wie man Wachen einteilt, wie man sich leise durch Städte bewegt. Das Genre ist vollständig durchgearbeitet. Wer überleben will, hat keine Ausrede, denn die Literatur existiert.
Das Problem ist nur: Die meisten Guides enden, wenn die Zombies aufhören. Was danach kommt, bleibt offen. Als würde das Licht irgendwie von selbst wieder angehen.
Das ist keine sinnvolle Vorbereitung. Denn das Licht geht nicht von selbst an. Und den „Orden vom Seligen Leibowitz„ wird es wohl auch nicht geben.
Was Wiederaufbau tatsächlich bedeutet
Nehmen wir es konkret. Eine Gemeinschaft hat die akute Phase überlebt. Die Zombies sind weg, die unmittelbare Bedrohung vorbei. Was jetzt?
Wasser. Trinkwasser für eine Gruppe von Menschen ist kein individuelles Problem mehr, sondern ein technisches. Brunnen graben, Quellen erschließen, Wasser filtern und aufbereiten im Gemeinschaftsmaßstab. Wer weiß, wie das geht? Welche Materialien werden gebraucht? Wie wird ohne Labor eine Kontamination festgestellt?
Medizin. Ohne Krankenhaus, ohne Pharmakette, ohne Notaufnahme. Wunden versorgen, Infektionen behandeln, Geburten begleiten, chronische Erkrankungen managen. Welche Pflanzen haben welche Wirkung? Wie wird sterilisiert? Was ist in welcher Situation lebensbedrohlich und was nicht?
Landwirtschaft. Nahrung aus Konserven ist endlich. Irgendwann muss angebaut werden. Welche Pflanzen wachsen wo? Wie wird Boden vorbereitet, wie werden Schädlinge kontrolliert, wie wird Saatgut gelagert? Wie wird Getreide weiterverarbeitet ohne industrielle Mühle?
Energie. Feuer ist der Anfang, nicht das Ende. Wassermühlen, einfache Windkraft, Biogas aus organischen Abfällen: Was lässt sich mit welchem Aufwand bauen?
Psychologie und soziale Stabilität. Das ist der Teil, den Survival Guides am konsequentesten ignorieren. Eine Gemeinschaft, die Trauma nicht verarbeitet, die keine Strukturen für Konfliktlösung hat, die einzelne Mitglieder nicht integrieren kann, wird an sich selbst scheitern. Nicht an den Zombies. Gruppenpsychologie, Entscheidungsprozesse, Umgang mit Verlust und Angst: Das ist kein weicher Zusatz. Das ist Kerninfrastruktur.
Und und und …
Warum dieses Wissen nicht einfach verfügbar ist
All dieses Wissen existiert. Es steckt in Ingenieurshandbüchern, in Agrarwissenschaft, in Medizingeschichte, in Rechtstradition, in Psychologie. Es ist nicht geheim.
Aber es ist verteilt, spezialisiert, und aktuelles Erkenntnisse fast ausschließlich in digitaler Infrastruktur gespeichert, die ohne Strom und Server nicht zugänglich oder durch DRM nicht verfügbar ist. Online-Archive wie Appropedia oder das Open Source Ecology Wiki leisten gute Arbeit. Aber sie setzen Internet voraus. Was nützt das beste Wiki der Welt, wenn der Strom weg ist?
Bücher? Es gibt Klassiker der Selbstversorgung, historische Handwerkslehren, landwirtschaftliche Grundlagenwerke. Aber sie decken Teilbereiche ab, sind oft veraltet, und vor allem: Sie sind nicht als System gedacht. Kein einzelnes Buch greift von Wasser über Medizin und Metallverarbeitung bis zu Gesellschaftsorganisation durch. Und Wikipedia, der naheliegende Kandidat für eine Gesamtschau, scheidet aus strukturellen Gründen aus: Es ist eine lebende Plattform ohne stabile Edition, deren Inhalte sich täglich ändern können. Keine zitierfähige Grundlage, keine druckbare Fassung, die dem Online-Stand entspricht, kein Archiv im Sinne eines gesicherten Bestands.
Die großen Enzyklopädien des 18. und 19. Jahrhunderts, Diderot, Brockhaus, Britannica, waren genau das: Der Versuch, das Kernwissen einer Zivilisation in eine zugängliche, physische, redundante Form zu bringen. Auf stabilem Papier. Nicht für Akademiker, sondern für jeden, der lesen konnte. Dieser Gedanke ist nicht veraltet, er ist nur aus der Mode.
Was das mit den Zombies zu tun hat
Nicht viel. Und das ist der Punkt.
Die Zombies sind eine Metapher für alles, was eine Infrastruktur schnell und gründlich außer Betrieb setzen kann: Sonnensturm, Cyberangriff, Pandemie, Krieg, Lieferkettenversagen. Prosaisch, schwer zu verfilmen, im Ergebnis kaum besser als Zombies.
Was nach jedem dieser Szenarien zählt, ist nicht, ob die Gruppe genug Waffen hatte. Es ist, ob die Überlebenden wissen, wie man wieder anfängt. Wasser. Nahrung. Medizin. Technik. Gemeinschaft. In dieser Reihenfolge, ungefähr.
Survival Guides enden bei Schritt null: Überlebe die akute Phase. Was kommt danach, bleibt meistens offen. Als würde man ein Buch über das Besteigen eines Berges schreiben und aufhören, sobald der Gipfel erreicht ist. Ohne ein Wort darüber, wie man wieder runterkommt.
Es gibt also eine Lücke. Ich plane, sie zu füllen.
Das Handbuch für danach fehlt. Es sollte nicht fehlen. Und zumindest ein Versuch, es zu schreiben, ist im Gange.
Ich plane, genau so ein „Manual“ aufzubauen. Ein strukturiertes, offenes Wissensarchiv, das die Grundlagen systematisch erfasst: Von Wasser und Medizin über Landwirtschaft, Energie und Metallverarbeitung bis zu Kommunikation, Gesellschaft, Recht und Psychologie. Verifizierte, zitierfähige Quellen, keine persönlichen Meinungen oder unüberprüfbare Behauptungen. Kein Ratgeberformat für Einzelpersonen, sondern ein Fundus für Gemeinschaften.
Die Basis muss und wird digital/online sein. Aber das Ziel sind lokale Kopien, als HTML-Dump oder für ein E-Book – und ein druckbares Format (RTF) – damit bleibt das wissen ohne zentrale Infrastruktur reproduzierbar. Es wird so lange dezentral verfügbar sein wie es jemand nutzt oder bewahrt. Und es muss dezentral verfügbar sein, weil alles andere denselben Fehler wiederholt, der das Problem erst erzeugt hat. Auch bestehende Teillösungen wie z.B. Appropedia sind in dies Falle getappt.
Wer mehr wissen oder mithelfen will, kann mich direkt anschreiben. Wenn ich das Projekt öffentlich starte gibt es noch mindestens einen Artikel, versprochen. Hioer mal eine Vorschau auf die aktuellen Fachgebiete
| Nr. | Fachgebiet | Nr. | Fachgebiet | Nr. | Fachgebiet |
|---|---|---|---|---|---|
| 01 | Wasser & Sanitär | 02 | Medizin & Hygiene | 03 | Landwirtschaft & Ernährung |
| 04 | Gemeinschaft, Sicherheit & Jagd | 05 | Psychologie & Soziale Stabilität | 06 | Verwertung der Alten Welt |
| 07 | Baustoffe & Werkstoffe | 08 | Bau & Infrastruktur | 09 | Werkzeuge & Handwerk |
| 10 | Energie & Maschinen | 11 | Textil & Kleidung | 12 | Metallurgie & Bergbau |
| 13 | Transport & Navigation | 14 | Kommunikation & Wissen | 15 | Landvermessung & Zeit |
| 16 | Naturkunde | 17 | Mathematik & Messen | 18 | Sprache, Zeichen & Denken |
| 19 | Gesellschaft, Recht & Ordnung | 20 | Geschichte & Wirtschaft | 21 | Chemie & Laborpraxis |
| 22 | Elektrizität & Elektrotechnik | 23 | Volkskunst & Gemeinschaftskultur |
