tldr: Russland bestreitet, ein Kolonialreich zu sein oder koloniale Kriege zu führen – weder aktuell, noch in der Vergangenheit. Die Völker, die es unterwarf, deportierte und deren Sprachen es verbot, erzählen eine andere Geschichte.
Kolonialismus und ethnische Säuberungen von den Zaren bis Putin
Seit dem 24. Februar 2022 hat sich die Frage, wie man Russland verstehen soll, mit einer Dringlichkeit aufgedrängt, die politische Kommentare, historische Debatten und Stammtischgespräche gleichermaßen erfasst hat. Die einen sehen einen Angriffskrieg, der sich von den kolonialen Logiken des 19. und 20. Jahrhunderts kaum unterscheidet; die anderen folgen der Erzählung des Kremls, nach der Russland lediglich auf westliche Provokation reagiert, berechtigte Sicherheitsinteressen verteidigt und die eigenen Landsleute schützt. Zwischen diesen beiden Deutungen liegt nicht nur eine politische Meinungsverschiedenheit, sondern ein grundlegend anderes Verständnis davon, was Russland historisch war und was es heute ist.
Um diese Frage zu beantworten, lohnt es sich, einen Schritt zurückzutreten und die lange Geschichte zu betrachten, die der Gegenwart vorausgeht. Denn der russische Angriffskrieg auf die Ukraine ist kein historischer Bruch, kein Betriebsunfall, keine Reaktion auf jüngste Ereignisse allein. Er ist das vorerst letzte Kapitel einer Kontinuität, die sich durch drei politische Systeme, mehrere Jahrhunderte und dutzende unterdrückte Völker zieht, die in ihrer Struktur, ihren Methoden und ihrer Selbstlegitimation bemerkenswert konstant geblieben ist.
Zu dieser Selbstlegitimation gehört eine Formel, die Putin seit Jahren rituell wiederholt. Bei der Siegestagparade auf dem Roten Platz, jenem wichtigsten säkularen Feiertag Russlands am 9. Mai, beschwört er regelmäßig die 27 Millionen Sowjetbürger, die im Großen Vaterländischen Krieg gegen Hitler-Deutschland ihr Leben ließen und zieht daraus eine unmittelbare Verbindung zu den Soldaten, die heute in der Ukraine kämpfen. Im Mai 2022, wenige Wochen nach Beginn der Vollinvasion, wandte er sich direkt an die Truppen in der Ostukraine: „Ihr kämpft für das Vaterland, für seine Zukunft, damit niemand die Lektionen des Zweiten Weltkriegs vergisst. Damit es auf der Welt keinen Platz gibt für Henker, Strafeinheiten und Nazis.“ Das Argument ist in seiner Struktur schlicht: Russland hat 27 Millionen Menschen geopfert, um die Welt vor dem Nationalsozialismus zu retten; wer sich Russland heute widersetzt, steht auf der Seite der Nazis. Die Toten von damals als Generalvollmacht für alles, was heute geschieht.
Die Zahl stimmt ungefähr. Die Zuschreibung ist eine Lüge, und zwar keine versehentliche. Der amerikanische Historiker Timothy Snyder hat festgehalten, dass nach russischer Berechnungsmethodik mehr Zivilisten in der Sowjetukraine im Zweiten Weltkrieg starben als in Sowjetrussland. In absoluten Zahlen, nicht nur prozentuell. Das ist kein ukrainischer Gegenmythos. Es ist russische Statistik, nur zu Ende gelesen.
Kolonialismus ist kein russisches Monopol
Bevor man Russland angeht, lohnt ein kurzer Blick auf die Konkurrenz, denn Kolonialismus ist keine russische Erfindung. Großbritannien herrschte auf dem Höhepunkt seines Empires über ein Fünftel der Erde; Frankreich führte in Algerien einen Krieg, dem mindestens 400.000 Menschen zum Opfer fielen; Belgien ließ unter König Leopold II. im Kongo bis zu zehn Millionen Menschen ermorden oder in den Tod treiben; Deutschland beging zwischen 1904 und 1908 den ersten Völkermord des 20. Jahrhunderts an den Herero und Nama. Die USA deportierten und internierten die indigene Bevölkerung Nordamerikas über Jahrhunderte, verboten ihre Sprachen, entrissen Kindern zwangsweise ihren Familien, und der Indian Health Service sterilisierte nachweislich bis 1976 tausende indigener Frauen ohne deren Einwilligung, ein Umstand, den das US General Accounting Office 1976 selbst dokumentierte und für den sich der zuständige Dienst bis heute nicht entschuldigt hat.
Der entscheidende Unterschied liegt nicht in dem, was diese Länder getan haben, sondern in dem, was danach kam. Deutschland hat den Genozid an den Herero offiziell als solchen anerkannt; die USA haben 2009 eine staatliche Entschuldigung unterzeichnet, 2021 eine bundesweite Untersuchung der Internatsschulen eingeleitet und den Stämmen mit dem Indian Reorganization Act von 1934 zunächst Selbstverwaltungsrechte eingeräumt, die in den 1950er Jahren durch die Termination Policy wieder massiv ausgehöhlt und erst in den 1970er Jahren teilweise wiederhergestellt wurden; Frankreich hat einzelne Massaker und Folterpraktiken im Algerienkrieg eingeräumt und mit der Kulturgüterrückgabe begonnen, ohne dass es bislang eine umfassende staatliche Schuldanerkennung gibt; Großbritannien hat einzelne Massaker offiziell bedauert und Entschädigungen gezahlt. All das ist unvollständig, oft zögerlich und politisch angreifbar, und es wäre verfehlt, daraus einen Freispruch zu machen. Aber in all diesen Ländern findet zumindest eine institutionelle Auseinandersetzung mit der eigenen Kolonialgeschichte statt, die Ergebnis von Druck, Debatte und partieller Anerkennung ist.
Russland tut nichts davon. Es bestreitet nicht nur kategorisch, jemals ein Kolonialreich gewesen zu sein, sondern verhält sich auch heute so, als wäre das, was es tut, schlicht nicht das, was es ist: Der Tscherkessen-Genozid von 1864 heißt in russischen Staatsdokumenten Massenmigration, der Holodomor gilt als ukrainischer Nationalismus, die Deportation der Krimtataren wurde bisher nur von der Ukraine, nicht von Russland, als Völkermord anerkannt. Und während andere Kolonialmächte wenigstens damit begonnen haben, ihre Geschichte zu benennen, verfolgt Russland in den besetzten Gebieten der Ukraine heute eine strukturell ähnliche Politik wie das Zarenreich 1863 gegen die ukrainische Sprache: Sprachverbote, Büchervernichtung, Zwangsassimilierung. Es handelt sich nicht um eine unaufgearbeitete Vergangenheit. Es handelt sich um eine laufende Gegenwart.
Der erste klare Beleg: 1831
Die Geschichte des russischen Kolonialismus beginnt weder mit Stalin noch mit Lenin. Als Startpunkt taugt der Novemberaufstand 1830, als Polen gegen die russische Fremdherrschaft aufstand und geschlagen wurde, wobei die Niederschlagung des Aufstands noch das Geringere war. Folgenreicher war, was danach kam: Die Bezeichnung Polen verschwand aus russischen Staatsdokumenten, das Territorium firmierte fortan als Weichselland, die Sprache wurde aus Schulen und Verwaltung verdrängt. Das war kein Kriegsrecht, sondern Kulturpolitik. Nach dem zweiten polnischen Aufstand 1863 wurde diese Politik weiter verschärft: Polnisch als Unterrichts- und Verwaltungssprache wurde vollständig verboten, katholische Klöster wurden geschlossen, tausende Polen nach Sibirien deportiert.
Was im selben Jahr 1863 gegen die Ukraine begann, folgte derselben Logik, war aber ein eigenständiger Schritt. Innenminister Valuev erließ den Zirkular, der die Veröffentlichung von Büchern, Lehrmaterial und Theaterstücken in ukrainischer Sprache im gesamten Russischen Reich verbot; der Emser Erlass von 1876 dehnte dieses Verbot auf sämtliche Publikationen aus. Die Begründung lautete in beiden Fällen, die ukrainische Sprache existiere nicht wirklich, sie sei ein verdorbener russischer Dialekt, und ihre Förderung sei politisch gefährlich.
Parallel dazu lief im Kaukasus ein Krieg, der fünfzig Jahre dauerte und 1864 mit einer Massenverfolgung endete, die heute als Tscherkessen-Genozid bekannt ist. Von den geschätzten zwei Millionen Tscherkessen überlebten nur wenige Prozent in ihrer angestammten Heimat; bis zu eineinhalb Millionen wurden vertrieben oder getötet, Hunderttausende ertranken auf überfüllten Schiffen auf dem Weg ins Osmanische Reich. Die Russische Föderation bezeichnet diese Ereignisse bis heute als Massenmigration. Im übrigen Kaukasus wurden Georgisch und Armenisch aus Schulen und Verwaltungen verdrängt; der russische Statthalter Woronzow beschrieb das Opernhaus in Tiflis offen als Institution, die die lokale Bevölkerung mit der russischen Sprache und den russischen Gewohnheiten vertraut machen und sie schrittweise mit Russland verschmelzen solle.
Im Westen des Reiches lebten bis 1917 etwa zwei Drittel aller Juden der Welt im sogenannten Ansiedlungsrayon, einem gesetzlich definierten Gebiet, auf das ihr Wohn- und Arbeitsrecht beschränkt war, während zahlreiche Pogrome mit Duldung oder aktiver Förderung staatlicher Organe stattfanden. Unter Alexander III. wurden Litauisch, Estnisch und Lettisch durch Russifizierungswellen zurückgedrängt und Esten wie Letten unter Druck gesetzt, vom evangelischen zum orthodoxen Glauben zu konvertieren. Kasachische Nomaden verloren ihr Land an russische Siedler; sibirische Kleinvölker wie Jakuten, Burjaten, Ewenken und Tschuktschen gerieten unter eine Kolonialverwaltung, die ihre Lebensweisen als rückständig diskreditierte und ihre Kulturen als Modernisierungshindernisse behandelte.
Laut der Volkszählung von 1897 machten Großrussen nur noch 44,3 Prozent der Gesamtbevölkerung des Reiches aus, das nach dem Mongolischen Reich das zweitgrößte zusammenhängende Landimperium der Geschichte war. Es war kein Nationalstaat mit Minderheiten, sondern ein Kolonialimperium, das Russifizierung als explizite Staatspolitik betrieb.
1917: Die Rhetorik wechselt, die Struktur bleibt
Die Bolschewiki kamen mit dem Versprechen, das Gegenteil zu tun. Lenin verurteilte den großrussischen Chauvinismus scharf, das Selbstbestimmungsrecht der Völker war programmatischer Kern der frühen Sowjetpolitik, und nicht-russische Sprachen wurden in den 1920er Jahren im Rahmen eines als Korenisazija bekannten Programms aktiv gefördert. In der Ukraine erlebte die Literatur eine Blütezeit, die sich aus dem jahrzehntelangen Verbot wie ein aufgestauter Strom entlud. Die Sowjetunion inszenierte sich als Gegenmodell zum zaristischen Nationalismus, und für viele unterdrückte Völker war dieses Versprechen anfangs glaubwürdig genug, um ihnen Hoffnung zu machen.
Dann kam Stalin, und was als Selbstbestimmung versprochen war, wurde zur Zwangskollektivierung; was als sozialistische Modernisierung propagiert wurde, war in weiten Teilen Russifizierung unter neuem Namen. Die Konrad-Adenauer-Stiftung formuliert es in ihrer Analyse des russischen Kolonialismus im Kaukasus so: Im Gegensatz zum Zarenreich war das sowjetische Russland bemüht, seine koloniale Politik zu verschleiern, obwohl sie eine faktische Fortsetzung des zaristischen Kolonialismus war. Die Methoden änderten sich; das Ziel blieb.
Ethnische Säuberung als Staatspolitik
Was unter Stalin folgte, hat der Historiker J. Otto Pohl in seiner archivbasierten Studie Ethnic Cleansing in the USSR, 1937–1949 (Greenwood Press, 1999) umfassend dokumentiert: Zwischen 1937 und 1949 deportierte die sowjetische Führung über zwei Millionen Menschen aus 13 Nationalitäten aus ihren angestammten Gebieten in entlegene Regionen der Sowjetunion. Die erste und in gewisser Weise paradigmatische Operation traf 1937 die Koreaner im sowjetischen Fernen Osten, umgesiedelt nach Kasachstan und Usbekistan mit der Begründung, sie könnten japanischen Spionen Vorschub leisten; der Erfolg dieser Operation führte dazu, dass die Totaldeportation ganzer Ethnien zur Standardprozedur des NKWD wurde.
Es folgten die Ingermanland-Finnen (1941), die Russlanddeutschen (1941, rund 1,2 Millionen Menschen), die Karatschaier (1943), die Kalmücken (1943/44), Tschetschenen und Inguschen (1944, rund 500.000 Menschen innerhalb von 48 Stunden), die Balkaren (1944), die Krimtataren (1944), Krimgriechen (1944), Meschetische Türken (1944), Kurden (1944), Khemschilen (1944) und schließlich die Schwarzmeergriechen (1949/50). In jedem dieser Fälle lautete die offizielle Begründung Kollaboration mit dem Feind, und in jedem dieser Fälle war sie, wie die osteuropäische Geschichtswissenschaft seit langem belegt, eine Lüge: In allen betroffenen Gruppen hatten mehr Angehörige als Rotarmisten gegen Nazi-Deutschland gekämpft als mit ihm kollaboriert. Pavel Polian, Historiker an der Russischen Akademie der Wissenschaften, dokumentiert in Against Their Will (CEU Press, 2004) das Gesamtausmaß dieser Zwangsmigrationen und bezeichnet sie als Verbrechen gegen die Menschlichkeit; die Sterblichkeit während des Transports und in den ersten Jahren in den Ankunftsgebieten war bei allen betroffenen Gruppen erheblich, variierte jedoch stark: Bei den Tschetschenen und Inguschen starben in den ersten Jahren schätzungsweise 15 bis 25 Prozent, bei anderen Gruppen lagen die Raten teils deutlich höher.
In der Ukraine lief das koloniale Muster in einer anderen, aber strukturell verwandten Variante. 1932 und 1933 verhängte die stalinistische Führung eine künstliche Hungersnot: Getreideabgaben wurden auf unmögliche Höhen getrieben, Grenzen abgeriegelt, Saatgut konfisziert, jede Hilfe verweigert. Die Historikerin Anne Applebaum zeigt in Red Famine. Stalin’s War on Ukraine (Doubleday, 2017) auf der Grundlage erstmals ausgewerteter Archivdokumente, dass Stalin im Herbst 1932 entschied, die Hungerkrise gezielt gegen die Ukraine zu nutzen. Zwischen drei und fünf Millionen Menschen verhungerten; Schätzungen über sieben Millionen sind in der Fachwissenschaft umstritten und methodisch schwach belegt. Timothy Snyder von der Yale University ordnet den Holodomor als Genozid im Sinne der UN-Konvention von 1948 ein. Russland erkennt ihn bis heute nicht an.
Gleichzeitig wurden die ukrainischen Schriftsteller, Dichter und Intellektuellen, die in den 1920er Jahren jene kulturelle Blüte erlebt hatten, systematisch verfolgt und ermordet. Die als Rosstriljane widrodschennja, die Hingerichtete Renaissance, bekannte Generation verschwand in Gulags und vor Erschießungskommandos. Am 3. November 1937 wurden allein im Straflager der Solowki-Inseln dutzende ukrainische Kulturschaffende per Genickschuss hingerichtet, und ihre Werke wurden anschließend aus Bibliotheken und Buchläden entfernt. (Zur Hingerichteten Renaissance im Detail: Katharina, Die hingerichtete Renaissance, die Flaschenpost, 29. August 2024.)
Chruschtschows Geheimrede 1956 rehabilitierte schließlich die meisten deportierten Völker, doch Krimtataren, Russlanddeutsche und Meschetische Türken wurden darin mit keinem Wort erwähnt und blieben jahrzehntelang von der Rückkehr in ihre Heimatgebiete ausgeschlossen. Auch das Schweigen war Politik.
Drei Regierungsformen, eine Methode
Die Russische Föderation hat das Erbe ihrer Vorgänger nicht aufgearbeitet. Sie hat es fortgesetzt.
Als Tschetschenien nach dem Zerfall der Sowjetunion seine 1991 ausgerufene Unabhängigkeit durchzusetzen versuchte, antwortete Moskau 1994 mit einem Krieg, in dessen Verlauf Grosny dem Erdboden gleichgemacht wurde; der zweite Tschetschenienkrieg, der 1999 begann und bis 2009 dauerte, brachte dieselben Methoden: gezielte Bombardierung von Wohngebieten, systematische Zerstörung von Infrastruktur, Massentötung von Zivilisten. Es war die Schule, in der die russische Armee lernte, Städte durch Terror in die Knie zu zwingen, und die Methoden, die dort entwickelt und verfeinert wurden, waren später in Aleppo und in Mariupol direkt wiedererkennbar. In Georgien hatte Russland in den frühen 1990er Jahren bereits abchasische und südossetische Separatisten bewaffnet und finanziert, um den jungen Staat zu destabilisieren, bevor es 2008 offen militärisch intervenierte und die abgetrennten Gebiete seither als faktische Protektorate verwaltet, eingefroren als permanenter Hebel gegen georgische Souveränität. In Syrien beteiligte sich Russland ab 2015 direkt an der Bombardierung ziviler Infrastruktur zugunsten des Assad-Regimes, in Libyen operierte die Söldnertruppe Wagner ab 2018 auf Seiten Haftars. Das Muster ist in allen Fällen dasselbe: Machtprojektion durch Destabilisierung, Einfrierung von Konflikten auf einem für Russland günstigen Stand, Abhängigkeit als strategisches Dauerziel.
In der Ukraine führte diese Logik zu ihrem vorläufigen Endpunkt. Die Krim wurde 2014 annektiert, wobei die russischsprachige Bevölkerung als Legitimation diente, deren Vorfahren erst im 18. Jahrhundert nach der Vertreibung der Krimtataren durch das Zarenreich dort angesiedelt worden waren. Mit der Vollinvasion 2022 erreichte die Politik ihre brutalste Form: In den besetzten Gebieten werden ukrainische Bücher vernichtet, die ukrainische Sprache aus Schulen und Behörden verbannt, ukrainische Lehrkräfte ersetzt. Was Woronzow 1851 über das Opernhaus in Tiflis schrieb, nämlich die lokale Bevölkerung schrittweise mit Russland zu verschmelzen, ist keine historische Kuriosität, sondern ein fortlaufendes Programm. 2017 hatte die Russische Föderation den obligatorischen Unterricht in Regionalsprachen bereits im eigenen Land abgeschafft; was für die Minderheiten innerhalb der Russischen Föderation gilt, gilt in den besetzten Gebieten erst recht und mit staatlicher Gewalt im Rücken.
Was die Zahl wirklich bedeutet
Die Formel „27 Millionen Russen“ funktioniert, weil das Kolonialimperium über Jahrhunderte gründliche Arbeit geleistet hat. Wer keine Bücher mehr hat, keine anerkannte Sprache, keine Intellektuellen und keine in internationalen Archiven dokumentierte Geschichte, der taucht auch in keiner Opferstatistik auf: Die Toten des Holodomor verschwinden in den sowjetischen Gesamtverlusten, die ermordeten Tscherkessen heißen Migranten, die deportierten Krimtataren fehlen in Chruschtschows Geheimrede, und die hingerichteten ukrainischen Schriftsteller fehlen in russischen Literaturgeschichten.
„27 Millionen Russen“ ist keine Zahl. Es ist die Fortsetzung der Auslöschung mit anderen Mitteln.
Quellen:
- J. Otto Pohl, Ethnic Cleansing in the USSR, 1937–1949, Greenwood Press 1999
- Pavel Polian, Against Their Will. The History and Geography of Forced Migrations in the USSR, CEU Press 2004
- Anne Applebaum, Red Famine. Stalin’s War on Ukraine, Doubleday 2017
- Konrad-Adenauer-Stiftung, Russland als Kolonialmacht im Kaukasus, Auslandsinformationen 2025
- Bundeszentrale für politische Bildung, Sackgasse Sowjetvergangenheit, 2021
- US General Accounting Office, Investigation of Allegations Concerning Indian Health Service, 1976 (HRD-77-3)
- Die hingerichtete Renaissance, die Flaschenpost, 29. August 2024.

Die Ukrainer leisten seit Jahrhunderten wiederstand gegen den russischen Imperialismus. Zum Beispiel die Anarcho-Kommunistischen Machnowschtschina https://de.wikipedia.org/wiki/Machnowschtschina
Welche 4 Jahre lang einen Aufständischen Bürgerkrieg in der Sowjetunion gegen die Kommunistische Partei führten und dabei sogar zeitweise weite Teile Sowjet Russlands befreien konnten. Weiß heute noch keiner mehr, weil die Informationen unterdrückt wurden. Wie bei Orwell, wo in 1984 die Geschichte von der Partei auch umgeschrieben wurde damit Sie vergessen wird.
Heute stellen sich dann Linke Anti Kolonialisten die von all dem nix wissen auf die Seite der russischen Kolonialmacht. Anti Imperialisten für den Imperialisten. Bloß keine Hilfe für jene die Widerstand leisten.