Was haben Asbest, Atomkraft und DDT gemeinsam? Richtig, sie wurden einst als Wunderwaffe gepriesen und gelten heute als Fehlentwicklung. Asbest war ein temperaturbeständiges Material, leicht zu verarbeiten und billig. Atomstrom war angeblich so billig zu produzieren, dass es sich bald nicht mehr lohnt, Stromzähler zu installieren. Und DDT schließlich sollte dem Kampf gegen die Malaria endlich den Sieg bringen.
Im Informationszeitalter gelten Internetsperren gegen Kinderschänder, Glücksspiele und Tauschbörsen vielen als die Wunderwaffe schlechthin. Sperren werden bald alle Probleme lösen, und eines Tages wird das Recht im ganzen Internet durchgesetzt sein. Und ähnlich wie zwischen guter Atomkraft („Unsere Kraftwerke sind sicher“) und böser Atomkraft (AKW Buschehr im Iran) unterschieden wird, unterscheidet die Politik zwischen guten Internetfiltern (Kinderpornografie) und bösen Internetfiltern (China). Fukushima und die australische Sperrliste haben in solchen Betrachtungen keinen Platz.
Als die Gefahren von Asbest, Atomkraft und DDT nicht mehr zu leugnen waren (und der wirtschaftliche Schaden größer wurde als der Nutzen), fand man Alternativen dazu. Wer schwache Menschen vor der Spielsucht schützen will, muss ähnlich wie bei Löschen statt Sperren eine Alternative bieten. Die Autoren des neuen Glücksspielstaatsvertrags werden sie gerne annehmen.
