19. Juli 2024

Die Politik und der Jetztpunkt – Teil 4 von 4

Wenn Sportler gefragt werden, wie man siegt, lautet eine Antwort: "Gewonnen wird im Kopf!". Dies kann man auf die Politik übertragen. Diese Artikelserie zeigt einen Weg auf, durch das Leben zu gehen und u. a. ein guter Politiker zu werden. Die Serie erhebt keinen Anspruch auf Korrektheit oder Vollständigkeit, es soll lediglich ein Vorschlag sein. Entscheiden muss jeder alleine selber.

3 thoughts on “Die Politik und der Jetztpunkt – Teil 4 von 4

  1. Als ehemaliger Pirat und Redakteur der Flaschenpost schaue ich noch manchmal hinein und ärgere mich fast immer über die fehlinvestierten zwei Minuten, die ich aufwende. Der Titel „Die Politik und der Jetztpunkt“ aber ließ mich aufhorchen. Das schien doch einmal etwas ganz anderes zu sein als „Die Piraten in XYZ und das große Papipapo“, was man da oft findet. Eher etwas Grundsätzliches. Das ist es auch. Allerdings hatte ich keinen Exkurs in die „Lebenshilfe“ erwartet. Das mag jetzt etwas despektierlich klingen, aber so ist das nicht gemeint.
    Wenn es um die „existentielle Einsamkeit“ geht, bin ich dabei, heißt: ich meine auch, dass sie eine konstitutive oder charakteristische Eigenschaft des Menschseins ist. Dass man sie in dem so definierten „Jetztpunkt“ findet, mag sein, mag sein auch nicht. Das klingt für mich wie Meditation, wenn man aufhört (oder aufzuhören versucht), denken und zu fühlen. Meditation ist mir durchaus nicht fremd.
    Eines allerdings möchte ich zu der gewählten Formulierung anmerken: „Gefühle denken“ und „Fühlen“ (= Gefühle empfinden) sind zwei grundlegend verschiedene Dinge.
    Auch wenn früh klar war, dass die Artikelserie in eine vollkommen andere Richtung lief, als ich erwartet oder gehofft hatte, habe ich weiter gelesen, denn ich wollte wissen, was der „Jetztpunkt“ (und wer hat diesen Begriff denn vorher in welcher Bedeutung verwendet?) mit Politik zu tun hat.
    Auch wenn es nicht explizit ausgesprochen ist, scheint der „Jetztpunkt“ in der Erkenntnis der existentiellen Einsamkeit ein Punkt der Wahrheit zu sein. Zumindest insofern wir uns auf die existentielle Einsamkeit als unsere Bedingung des Menschseins verständigen.
    Wir lesen dann Folgendes (Zitat): „Für mich geht es in der Politik auch immer um die Suche und das Management der Wahrheit.“ Selbst mit der Einschränkung durch das „auch immer“ ist das mit absoluter Sicherheit falsch. Abgesehen davon, dass ich nicht weiß, was „Management der Wahrheit“ sein soll (außer vielleicht Fake News). Jegliche Politik der Wahrheit ist totalitäre Politik. Dem steht gegenüber, was Bismarck gesagt hat: „Politik ist die Kunst des Möglichen.“ (zugeschriebenes Zitat siehe https://de.wikiquote.org/wiki/Otto_von_Bismarck). Ich halte diese Beschreibung von Politik für richtig, auch wenn es zur Zeit nicht unbedingt danach aussieht.
    Noch schwieriger ist die Formulierung (Zitat): „Alles was ich hier über den Jetztpunkt schreibe, ist in diesem Sinne auch Politik.“ Zunächst habe ich gedacht, das sei eine Variante der 68er These „Das Private ist das Politische.“, was in dieser Verkürzung zwar nicht richtig ist, man aber in seinem historischen Kontext sehen muss. Und was hier sicher nicht gemeint ist. Was diese Artikelserie angeht, so hat sie keine formulierte dezidierte politische Aussage, von daher ist der Satz falsch. Wenn aber der Jetztpunkt der Punkt der Wahrheit ist und Wahrheit Gegenstand von Politik, dann wird hier die (philosophische? argumentative?) Position eines Einzelnen totalitär überhöht. Es sei denn, die existentielle Einsamkeit würde als Grundlage von Politik anerkannt (weil Bedingtheit des Menschen), was zu Ende gedacht zu solidarischer Politik führen müsste. Ist das gemeint, Holger Burbach?

  2. Hallo Jürgen,

    vielen Dank für deinen Kommentar. Ich tue mich schwer mit dem Einordnen der Artikelserie in verschiedene mehr oder weniger abstrakte Begriffe, so wie es mir bisher auch schwer fällt in öffentlichen Diskussionen politische Standpunkte zu verargumentieren und zu verteidigen. Wir können uns gerne mal im Mumble treffen und über die Artikelserie diskutieren, von mir aus auch mit Audioaufnahme und anschließendem Podcast davon. Ich kann dem Zitiat von Bismark nur beipflichten. Das ist für mich kein Widerspruch zur Aussage, dass es in der Politik immer um Wahrheit geht. Selbst wenn in einem Augenblick die Wahrheit vordergründig nicht beachtet wird, so kommt meiner Meinung nach doch nie irgendjemand an der Wahrheit vorbei. Wenn man die Wahrheit ignoriert, dann kommt eben nur Mist dabei raus. Dann wird eben der Mist verwaltet. Das Management der Wahrheit ist keine einfache Sache. Es kann niemand von sich behaupten, ausgerechnet er kennt die ganze Wahrheit und alle müssen ihm deshalb gehorchen. Letztendlich muss jeder alleine für sich selber entscheiden und dann wird abgestimmt. So sollte Demokratie funktionieren, oder? Über den Begriff ‘existenzielle Einsamkeit als Grundlage von Politik’ und seinen Implikationen könnte man sicher länger diskutieren. Ich denke, die existenzielle Einsamkeit ist ein wichtiger Punkt im Leben eines jeden Menschen und damit auch ein wichtiger Punkt in der Politik. Wie gesagt…diese mehr oder weniger kurzen Kommentare werden dem Thema der Artikelserie vermutlich nicht ganz gerecht. Man könnte versuchen, sich dem in einem Podcast zu nähern.

    Grüße
    Holger

  3. Eins fällt mir noch zum Begriff ‘Jetztpunkt’ ein: ich habe mir den Begriff zunächst in jahrelanger Arbeit ausgedacht und habe dann entdeckt, dass ich nicht als erster diese Idee hatte. Ich habe den Begriff später tatsächlich im Zusammenhang mit dem Philosoph Nietzsche gefunden. Ob der Begriff noch älter ist, weiß ich nicht. Das müsste man recherchieren. Die Texte von Nietzsche über den Jetztpunkt habe ich nie gelesen, weil sie mir zu schwierig und somit demotivierend waren.

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